Auszeit in der Frühschicht ..

Der Pott muss voll sein oder die Warnung vor dem „Loch-im-Eimer-Syndrom“ Große Schale, kleine Wirkung…Die Lösung muss anders aussehen!!! Der Pott muss voll sein oder die Warnung vor dem „Loch-im-Eimer-Syndrom“ Große Schale, kleine Wirkung…Die Lösung muss anders aussehen!!!
Das Schuljahr 2016/2017 hat seinen Fuß in die Tür gesetzt. Was bedeutet das für die Lehrerinnen und Lehrer am bkh? Sie fallen prompt wieder mit dieser Tür in die Schule. Raus aus dem Schongang der Ferienzeit und sofort in die Vollen! Was geht ab? Das ganze Programm! Am besten schon gestern…
 

….wenn da nicht als kleine Einstimmung auf das, was nun wieder einmal unweigerlich folgt, die „Auszeit in der Frühschicht“ wäre: Dieses lieb gewordene transzendentale Highlight für die Fans unter den Lehrerinnen und Lehrern, ohne das ein Schuljahr keinen wirklichen Anfang hat. Also diese besinnliche Stunde von Lehrern für Lehrer unter Ägide von Pfarrer und Religionslehrer Michael Morgenthal mit Texten zum Nachdenken und Liedern zum Mitsingen. Und nicht zu vergessen: Mit Action.


Der besinnliche Teil startete mit dem Text „Schale der Liebe“ von Bernhard von Clairvaux. Er war Ritterssohn, Klostergründer, Mönch und auf jeden Fall ein weiser Gelehrter, der im 11. Jh. lebte. Dem, was er sagte und schrieb, darf man also Glauben schenken:
„Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter. Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich.“


Diejenigen, auf deren Stirn nun große Fragezeichen blinken, mögen beruhigt sein. Denn die neudeutsche Version lässt sich durchaus mit dem neuzeitlichen Credo von „gesunder Schule“ verbinden. Und zwar dann, wenn man die Schale als ein Sprachbild versteht, das beschreibt, dass man erst gut für sich selbst sorgen muss, bevor man für andere da sein kann. Das gilt besonders für Menschen, die in kontaktintensiven Berufen tätig sind, welche viel Einsatz und Fürsorgepflicht für andere beinhalten. Zu nennen wären hier beispielsweise Pfleger, Ärzte, Sozialarbeiter, Therapeuten, Sozialpädagogen, Lehrer, Eltern….Selbstfürsorge in dem hier erforderlichen Sinne bedeutet zuerst die eigene Schale zu füllen, um dann mit voller Kraft und aus vollem Herzen geben zu können, so Michael Morgenthal.
Die Botschaft hörten die Teilnehmer der Frühschicht wohl. Allein es fehlte ihnen zu dieser Stunde noch an zum Nachdenken anregenden Fragen. Damit konnte Michael Morgenthal helfen: “Wie gehen wir damit um, zuerst uns selbst zu versorgen? Fällt es uns schwer? Plagt uns sofort das schlechte Gewissen? Ist es leichter für andere da zu sein?“


Und für den Fall, dass das so ist und man gerne mehr Selbstfürsorge praktizieren möchte, gab es eine kleine Anleitung zur Stressbewältigung. Leider, so der „weise Mann des bkh“, gebe es keine Wunderwaffe. „Jeder Mensch hat individuelle Angriffspunkte, wo er verletzlich auf Stress und Druck reagiert und deshalb braucht er auch individuelle Stressbewältigungstechniken“. Was das bedeute? Es gehe z.B. darum, ausreichend Pausen in den Tagesablauf integrieren, die persönlichen Stressoren herauszufinden, ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Stress von der persönlichen, gedanklichen Bewertung abhänge, neue Verhaltens- und Gedankenmuster zu entwickeln und anzuwenden, rechtzeitig zu spüren, wann die eigene Belastungsgrenze erreicht sei, die Fähigkeit zu entwickeln sich körperlich zu entspannen und geistig zu regenerieren, zu wissen was Kraft gebe, wo man auftanken könne und das auch regelmäßig nutzen…
All dies helfe, dem „Loch-im-Eimer-Syndrom“, unter dem auch LehrerInnen immer wieder besonders leiden würden, entgegenzuwirken und die Schale, von der eingangs die Rede war, immer wieder bis zum Überlaufen füllen zu können. Erst wenn die eigene Schale (der eigene Kraftspeicher) gefüllt sei, könne man davon an andere abgeben.


Und damit diese eindringliche Empfehlung den Kolleginnen und Kollegen in dauerhafter Erinnerung blieb, demonstrierte er anschaulich mit Hilfe einer eigenhändig gebauten Konstruktion und unter Assistenz von Kollegin Andrea Wehner, wie man sich das vorstellen muss.

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In eine mit Herzen beklebte Schale (die Schale der Liebe) füllte sie solange Wasser aus einer Gießkanne, bis die befüllte Schale überlief. Das überfließende Wasser wurde durch eine Metallrinne in einen tiefer stehenden Eimer am Ende geleitet, der sich allmählich füllte. Jedoch: solange die „Schale der Liebe“ nicht voll war und überlief, gelangte auch kein Wasser in den Eimer (die „Fürsorgebedürftigen“). Anschaulicher kann eine „Auszeit in der Frühschicht“ nicht sein. Das ist „Kopfkino“ vom Feinsten und dieser Film zum Thema „Gefäßkunde der besonderen Art“ kann bei Bedarf immer wieder abgerufen werden.
 
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„Himmlischen Chöre“ mit instrumentaler Begleitmusik
 
Unserem „Stellvertreter Gottes am bkh“ sowie seinen musikalischen Engeln an der Gitarre (Wolfgang Stanzel und Karl Funke) an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Gestaltung dieser lehrreichen Stunde! Und sollte im Laufe des Schuljahres der Wasserstand in unseren Schalen sinken: Wir wissen ja, wer die Gießkanne mit den aufgeklebten Herzchen hat…..

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