Der Ausflug zum Schulenberg in Hattingen

Der Ausflug zum Schulenberg in Hattingen gestaltete sich als ein lustiges Unterfangen. Gemeinsam mit dem anderen FiF-Kurs ging es sportlich und im – für den einen mehr, für den anderen weniger – eiligen Tempo zur Schulenburg.

Doch zuerst wurden wir, beziehungsweise haben wir uns per Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt. Gemeinsam mit zwei weiteren Bogestranern und einem - ich sage mal salopp, Sauerländer – ging es Schritt für Schritt und Stufe für Stufe zur Burg hinauf. Viele hatten mit dem Weg nach oben zu kämpfen, doch ich war froh, dass sich meine sommerlichen Wander- und Fahrradrouten ausgezahlt haben und ich nur zu 15% tot und durchgeschwitzt dort oben ankam. Zudem stellte es sich als sinnvoll heraus, meine Tasche nicht in der Schule zu lassen, da mein Wasserhausalt an dem Tag noch ausgeglichen werden musste. Für die Leute, die ihre Tasche in der Schule gelassen haben, gab es auch reichlich Wasser – zwar nicht aus der Flasche, sondern aus den großen grauen Wolken, die sich über ganz Hattingen, wenn nicht sogar über gefühlt ganz NRW, ausgebreitet haben und zum Schluss des Tages uns alle einmal durchnässt haben.

Nachdem wir oben ankamen gab es erstmal eine kleine Verschnaufpause und die Teams wurden dort richtig eingeteilt… Ach ja, da war ja was! Wir haben uns eingeteilt und nach Nummern, von groß nach klein, an der Mauer aufgestellt.

Nach unserer kleinen Pause kam auch Herr Stoye mit seinem Auto und seinem Hund „angedackelt“ und die Rallye konnte beginnen. Zeitverzögert und an zwei Startpunkten ging es für uns auch irgendwann los. Doch die erste Hürde kam direkt zuerst. „Zählt die Stufen der ersten (nicht erneuerten) Treppe. ALLE!“ In der Gruppe herrschte Uneinigkeit – war das der Moment, an denen unsere Gruppe zerbrechen würde und wir unsere alten Grundschulranzen auspacken hätten müssen, weil wir in die Grundschule zurückversetzt gewesen worden? Nein! Es ging 43 Stufen bergab und 43 Stufen wieder bergauf. (Die zweite Pause ruft nach so einer schweißtreibenden Aktion!) Foto gemacht und nun ging es weiter zum Steinbruch. Diesmal wurden wir sogar aufgefordert Pause zu machen: „Der alte Steinbruch bietet sich für eine Runde Gruppenarbeit an: Stellt „die Pause des Busfahrers“ dar, macht ein Beweisfoto.“ Es folgte also die nächste Pause, zwar eine kurze, 30-sekündige Pause, aber es war eine Pause, die wir erfolgreich mit einem Beweisfoto absolviert haben.

Der nächste Konflikt stellte sich heraus: Die Frage der Richtung. Ich war der Meinung, dass wir den kleinen Trampelpfad zum Turm(das wusste ich vorher nicht) nehmen mussten, weil das für mich am meisten Sinn ergab. Die anderen Gruppenmitglieder waren teils meiner, teils anderer Meinung, sodass erstaunlicherweise meine Meinung siegte und wir den kleinen, schnuckeligen Weg zum Bismarckturm hochliefen. Es stellte sich heraus, dass es der falsche Weg war und wir den anderen Weg hätten nehmen müssen. Ich, peinlich berührt, habe mich dann für die nächsten paar Minuten zurückgehalten und die „Entscheidungsgewalt“ an einen anderen übergeben. Es ging also wieder zurück. Doch Jungs wären nicht Jungs, wenn sie nicht faul wären und einen kleinen Nervenkitzel brauchen, weswegen wir uns anstatt des kompletten Weges zurück, für eine Abkürzung entschieden haben. Wir alle sind komplett unten ankommen und zum Glück nicht wie der fast-kopflose-Nick aus Harry Potter, mit einem halbabgetrennten Kopf. Das wäre ein schwieriger Versicherungsgrund gewesen…

Unten angekommen und auf der Suche nach dem Kriegerdenkmal, standen wir – ja, richtig – vor dem Kriegerdenkmal. Dort haben wir uns auf die Suche nach einem farbigen „N“ gemacht und konnten es schnell finden. Es hat mich sehr überrascht, dass das so problemlos funktioniert hat. Naja, hätte ich das nicht zu früh gedacht… „Die nächste Bucht links verwandelt bitte in eine Haltestelle (mit Beweisfoto).“

Wir haben uns gefragt „welche Bucht?“ und haben die erstbeste direkt am Kriegerdenkmal genommen. Das Beweisfoto ist, sagen wir so, interessant geworden… Ich habe es zwar nicht gesehen, aber wenn man meine Pose sieht, weiß man wieso ich das sage… Es muss so ausgesehen haben, als hätte ich das erste Mal in meinem Leben irgendwas Atemberaubendes gesehen oder man hätte es auch mit der typischen Olaf-Scholz-zeigt-auf-alles-mit-seinem-Zeigefinger Pose vergleichen können; doch dabei wollte ich nur so tun, als ob ich meinen Freunden zeige, dass der Bus kommt. Naja, das zweite Mal peinlich berührt ging es weiter und wir haben die richtige Bucht gefunden… Doch in dem Moment habe ich gelernt, weswegen ich ein bisschen weniger enthusiastisch meine Pose wiederholt habe. Diesmal fühlt ich mich aber wie Busfahrer Georg grimmig und dachte mir, dass ich die Pose erneut verka… vermasselt habe. Es ging weiter und ein gutes Stück verging, bis wir an einer Weggabelung ankamen. Weggabelungen sind nie gut (das kenne ich aus Horrorfilmen – Stichwort: „lasst uns mal aufteilen“), doch hier war es ein weitaus weniger lebensbedrohliches Ereignis. Wir als Gruppe haben mit voller Elan ein Foto an dieser Kreuzung gemacht und uns Namen für die Linien ausgedacht, bis sich herausstellte, dass das nicht die Weggabelung ist, sondern diese erst ein paar Meter weiter kam. Also wiederholten wir das Ganze nochmal und haben uns zügigen Schrittes zur nächsten Aufgaben gehangelt.

Da wir wussten, wo wir hinmussten, sind wir zu den Brücken gesprintet, vor dem Hintergrund, dass uns die andere Gruppe, mit der wir aus mir nicht bekannten Gründen „rivalisiert“ waren, nicht verfolgt und sie den Weg selbst herausfinden mussten. Für eine kurze Zeit lang fühlte ich mich wie Usain Bolt, da ich eine Geschwindigkeit erreicht habe, die ich nicht von mir kannte – es ging zwar bergab, aber das muss ja niemand wissen. Nachdem wir etwas über „Hülse“ erfahren haben, konnten wir uns nun zu der chemischen Formel begeben – zumindest das, was davon übrig war, da das Schild ein ““bisschen““ verschmiert war…

Immerhin konnte man das Schild durch die pechschwarze Färbung eigentlich nicht übersehen.. die Betonung liegt auf eigentlich, da wir beinahe daran vorbeigelaufen wären. Diesmal konnte ich die Schmach von vorhin wiedergutmachen und konnte voller Stolz auf das Schild verweisen, sodass wir auch diese Aufgabe erfolgreich abhaken konnten. Es folgte eine Zeit lang nichts, wir gingen und gingen und gingen. In der Zwischenzeit habe ich mal die Chance ergriffen und mich nach dem Namen des „Sauerländers“ zu informieren. Ich erfuhr, dass sich noch niemand dem Sauerländer vorgestellt hatte (Jonas heißt er übrigens), was in der Situation schon ein bisschen lustig war. Wir gingen unseren Weg und haben irgendwann ein Feld mit dem Strommasten und der Karte erreicht. Unsere Intuition verriet uns, dass die Strommasten von Nordwest nach Südost verlaufen müssten, was wir natürlich ohne Hilfe herausgefunden haben… *hust hust*, schlimmen Husten habe ich heute…

Kurzerhand später standen wir an der Karte und haben versucht herauszufinden, wie lang der Weg ist, den wir gehen. Nachdem wir vergeblich versucht haben das Ganze mit den Händen zu errechnen, ist mir eingefallen, dass in meinem hochqualitativen Survivalpack, sich ein Geodreieck befand.

So wurde aus 120cm, kurzerhand 154cm, was meinem Gefühl schon ein bisschen mehr zusagte, als 120cm. „Weiter geht´s“, dachte ich mir in der typischen Stimmlage, die „komoot“ (Navigationsapp für Outdoorsportarten) spricht. Weiter ging es, geschwind und eilig den Weg entlang. Wir sprachen über Dinge, an die ich mich jetzt gar nicht mehr erinnere… Smalltalk halt..

Die Minuten vergingen und irgendwann kamen wir an der Mülltonne an, wo wir auf den sauerländischen Gebirgsverein aufmerksam gemacht wurden. Vielleicht war das der traurige Hinweis, dass wir uns die Wegkennzeichnungen genauer hätten ansehen sollen, da die unter Umständen uns einiges an Sucherei und Umwegen erspart hätten. An dem Abfallbehälter vorbei ging es auf zum Anstieg. Wir haben uns gefühlt, als hätten wir gerade den Mount Everest erklommen, doch es war nur sein kleiner Bruder der Schulenberg aus 44525, Hattingen. Ich aß genüsslich mein nachgemachtes Kinder-Bueno aus dem Lidl und genoss den Ausblick von der Bank sehr. Doch dann war da auf einmal eine andere Gruppe, die uns bei unserer kleinen Erholungspause erwischt hatten. Wir wechselten ein paar kurze Worte, tauschten Leidesgeschichten aus und gingen zügig weiter. Vorbei an einem Feld, Baustellenschilder und Grillhütten kamen wir wieder an der Gabelung raus. Doch auf einmal war da die Gruppe, die wir bei der Bank getroffen haben. Wir fragten uns alle, wie die das geschafft haben. Es stellt sich heraus, dass unsere Gruppe einen kleinen Umweg gemacht hat, sodass wir mit ein wenig Verzögerung dann auch an der Grillhüte ankamen.

Verwundert darüber, gingen wir hinterher mit der anderen Gruppe gemeinsam ein Stück weiter in Richtung Bismarckturm. Parallel dazu gingen wir den Berg zum Turm hoch, da wir dachten, dass wir dort eine wertvolle Information erhalten würden. Dem war nicht so.. Aber man konnte immerhin von den Klippen am Turm einen wundervollen Blick über Hattingen erhaschen.

Auf der Suche nach Informationen entschlossen wir uns wieder auf den Hauptweg zu gehen. Oben am Turm kamen uns jede Menge Gruppen von uns entgegen, mit denen wir gemeinsam ein Stück gelaufen sind. Auf dem Hauptweg angekommen, sah man schon den Parkplatz des Restaurants und ich dachte, dass wir die letzten beiden Aufgaben elendig verpasst haben. Doch dann war es da, kurz vor Schluss: Schilder mit Informationen, wie der Schulenberg früher genutzt wurde! Wir hatten die Information nicht verpasst und sind trotz des Umwegs am Ziel, mit allen Lösungen angekommen.

Am Ziel hieß es dann erstmal warten. Wir warteten eine längere Zeit und es wurde immer grauer und grauer. Nachdem wir einige Zeit am Restaurant absaßen, beziehungsweise abstanden, kamen auch die letzten Gruppen am Ziel an. Manche mit etwas besserer Laune, manche mit einer etwas schlechteren Laune. Doch eine Gruppe fehlte immer noch.. Mittlerweile haben die Wolken ihre Schleusen geöffnet und es regnete dementsprechend viel. Die andere Gruppe konnte telefonisch erreicht werden, doch es dauerte noch ein bisschen, bis diese am Restaurant eintreffen würden. Das hieß für uns warten. Unter dem Sonnenschirm stand es sich ziemlich trocken und ich war froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt alle Schulsachen an der Schule gelassen habe, da ich diese danach wohl nicht mehr hätte retten können. Ich stand mittlerweile mit meinen besten Bogestranern zusammen und wir haben - wahrscheinlich aus Frust - Intros von alten Serien wiederentdeckt und diese, mehr oder weniger erfolgreich, musikalisch umgesetzt. (Gut, dass niemand Schmerzensgeld verlangt hat.)

Eine Zeit lang und tausende Eicheln, die von den Bäumen heruntergefallen sind, später, kam die Gruppe auch endlich am Zielort an. Frohen Mutes darüber, dass der Regen aufgehört hat, als wir zurück zur Schule liefen, gingen wir den ganzen Weg wieder zurück. Vorbei an den kleinen aber feinen Aufstieg zur Burg, an den Bauarbeitern vorbei, den komischen langgezogenen Treppenstufen, sind wir wieder an der Schule angekommen- mit einer interessanten Begegnung mit einem Postboten, der auf dem Gehweg fuhr und sich mit einem leicht passiv-aggressiven "Danke" darüber aufregte, als wir auf die andere Straßenseite wollten, dass wir ihm keinen Platz gemacht hätten.

Damit endete der interessante Ausflug zur Schulenburg, der bei besserem Wetter wahrscheinlich besser gewesen wäre. Schlussendlich fand ich den Ausflug gut und denke, dass sich dieser gut für die ersten beiden Wochen eignet, um dadurch auch das nähere Umfeld der Schule kennenzulernen. Doch man sollte immer im Hinterkopf haben, dass es da noch anderes Wetter, außer "Sonnenschein" gibt - man sollte dies auch Bedenken, obwohl man freundlich darauf hingewiesen wurde. Naja, wer nicht lernen will, muss fühlen.

Justin Rettka

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