"Begegnungen schaffen und fördern" – Aktionen zum Weltflüchtlingstag am bkh

Das Thema Integration von Flüchtlingen stellt nicht nur für das Berufskolleg mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Nationen, sondern auch für Unternehmen, Mitbürger und zuletzt auch für die Geflüchteten selbst eine große Herausforderung dar, die nur gemeinsam und im Dialog bewältigt werden kann.

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TeilnehmerInnen der Veranstaltung während der Eröffnungsansprache im Forum des bkh

Schulsozialarbeiterin Maren Pohlmann und Fachlehrerin Dana Tiemann-Bockskopf nahmen den internationalen Flüchtlingstag am 20.06.2018 zum Anlass einen gemeinsamen Projekttag mit den Unterstufen der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung und den AVI Klassen zu initiieren und durchzuführen. Das Motto: "Begegnungen schaffen und fördern" Allein schon die Planung war eine Mammutaufgabe, die die beiden genannten „Eventmanagerinnen“ mit viel Einsatz und Leidenschaft in Angriff nahmen. Da hieß es Workshop-Leiter zu interessanten Angeboten zu finden, das benötigte Equipment zu organisieren, die Terminplanung immer wieder den zwangsläufig auftretenden Unwägbarkeiten und Änderungen anzupassen, Kolleginnen und Kollegen einzubinden und den aktuellen Planungsstand immer im Auge zu behalten.

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So entstand allmählich eine umfangreiche Palette an Workshops, die Schüler und Schülerinnen im Vormittagsbereich belegen konnten und die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Thema „Flucht/Migration“ befassten.

Workshop „Schönheitsideale“

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Makeup-Artistin Linda Drekovic

Spieglein, Spieglein an der Wand…Warum findet man einen Menschen schön? Der Begriff Schönheit hat je nach Kultur eine andere Definition. Werbeplakate, Fernsehen und Zeitschriften zeigen tagtäglich, wie Frau oder Mann auszusehen hat und was gerade als schön gilt. Und wann empfindet man sich selbst als schön? Unter professioneller Anleitung erhielten alle Workshop-Teilnehmerinnen auch die Möglichkeit sich zu schminken und zu frisieren. Dabei kam es der renommierten Makeup-Artistin Linda Drekovic darauf an, den Gesichtern kein „0815-Hochglanzgazettengepräge“ zu verleihen, sondern den Schülerinnen Alternativen aufzuzeigen, die ganz eigenen Wesenszüge ihrer Gesichter so ausdrucksstark wie möglich zu gestalten, um ihre Individualität zum Ausdruck zu bringen. Und an den vorher-nachher-Bildern ließen sich die Unterschiede deutlich ablesen.

Comic-Workshop „Herausforderung extremistischer Salafismus“

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Professioneller Cartoonist und Comic-Zeichner Peter Schaaff

Mit wenigen Strichen und Sprechblasen konnten die TeilnehmerInnen Figuren zum Leben erwecken, ihre Geschichten erzählen und sich mit Stift und Papier ausprobieren. Man musste dafür nicht unbedingt gut zeichnen können. Viel wichtiger war, dass alle mit Freude dabei waren und eine Geschichte ohne viele Worte erzählten. Die Teilnehmer setzten sich mit dem Thema Flucht und Migration auf kreative Art und Weise auseinander und warfen in diesem Rahmen auch einen Blick auf den gewaltbereiten Salafismus und die Abgrenzung zum Islam. Workshop-Leiter war kein Geringerer als Peter Schaaff, der Comiczeichner der politischen Bildungscomics „Andi“, die vom Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes NRW in zig hunderttausenden Exemplaren herausgegeben werden. Im Manga-Stil erlebt die Comicfigur „Andi“, was passiert, wenn Freunde und Mitschüler in politischen Fanatismus abdriften. Die drei bisher erschienen Hefte befassen sich mit Links- und Rechtsextremismus sowie Islamismus. Im heutigen Workshop ging es um die Thematik „Frieden-Krieg-Hass“.

Bevor es an die Ausarbeitung von Figuren und Hintergründen geht, sollten Ideen und Entwürfe „geordnet“ werden. Dazu erklärte Peter Schaaff, wie ein Storyboard für einen Comic erstellt wird, das bei der weiteren Umsetzung als Orientierung dient. Dann ging es um die Klärung der Kernthematik sowie der Charaktere von Figuren. „Ich muss genau wissen: Was will ich rüberbringen“, so Peter Schaaff. „Welches soll mein key-Bild sein? Damit muss ich den Leser sozusagen kriegen. Und dann muss ich eine gute Umsetzung finden. Dazu gehört auch, nicht zu viel zu zeichnen. Weniger ist hier mehr. Mit Hilfe von Storyboard und Character Sheet erfolgt dann die finale Umsetzung des Comics“. Am Ende entstand so unter professioneller Leitung ein von den Schülern entworfener Comic, der am Berufskolleg Hattingen spielt.

Trommelworkshop

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Percussion-Profi Rafael Hidalgo

Beim Trommeln ist Musik in allen Kulturen allgegenwärtig. Sie kann sprachunabhängig Gefühle und Stimmungen transportieren und so Menschen miteinander verbinden, die nicht dieselbe Sprache sprechen. Trommeln führt zur eigenen Mitte und erdet dort den Menschen. Jeder Schlag, der sich regelmäßig wiederholt, ist bereits ein bestimmter Rhythmus. Mit dieser urwüchsigen Kraft eines Schlages entsteht wie von selbst eine Grundstruktur von Musik, die innere Kraft gibt. Musik ist ein Stück eigenes, gelebtes Gefühl. „Das Wichtigste ist der Spaß und der gefühlsmäßige Ausdruck dabei. Alle sind darauf ausgerichtet zur selben Zeit dasselbe zu tun, damit ein Rhythmus in Fluss kommt, “ so „Cajon-Zauberer“ Rafael Hidalgo, der z.B. in Hattingen durch seine enge Zusammenarbeit mit der Musikschule bekannt ist und auch gemeinsam mit Musikschulleiter Peter Brandt musiziert. Ob „open tone“ oder „edge“, “brass“, „muted edge“ oder „touch“: Der common groove stellte sich nach ein paar Anlaufschwierigkeiten am Ende des Workshops dank Rafaels nachhaltiger Geduld auch ein. Ein Ergebnis, das sich im wahrsten Sinne des Wortes hören lassen konnte!

Workshop „Tanz der Kulturen“

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Diplom Tanzpädagogin und Choreographin Janneth Wegener

Für Tanzprofi Janneth Wegener „bringt Tanz die Möglichkeit, sich in das Heim der Seele zu befördern, in die Welt in unserem Inneren, für die wir keinen Namen haben. Tanz erreicht unsere tiefste Natur und Tanz bringt dieses auf kreativer Weise zum Ausdruck. Bewegung ist für das menschliche Leben so natürlich und wichtig wie das Atmen. Das Tanzen verleiht diesen Bewegungen Anmut und Harmonie. Und es wirkt sich natürlich positiv auf Kondition, Koordination und Beweglichkeit aus.“

In ihrem Workshop ging es ihr darum, dass die Teilnehmer durch persönliche Ausdrucks- und Bewegungsformen aus ihrem Herkunftsland ihren eigenen tänzerischen Ausdruck fanden. Diese wurden später durch weitere Elemente, z.B. aus dem Bereich Latino und Hip- Hop ergänzt und schließlich zu einer gemeinsamen Choreographie zusammengeführt. Temperamentvoll, fließend, schwungvoll und rhythmisch sah das aus und Spaß hat es sowieso gemacht!

Workshop „Wie i(s)t die Welt“?

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Ulli Sylvester, die „Seele der Küche“, mit ihren „Helfern“

Jeder Mensch muss essen, so viel steht fest. Was auf den Tisch kommt, kann aber von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. Roher Fisch, eine Hand voll Hirsebrei oder Papas Pizza – man muss einfach mal über den Tellerrand sehen! Und so ging es in diesem Workshop darum unterschiedliche Speisen kennenzulernen, die die TeilnehmerInnen gemeinsam mit ihren Mitschülern für das anschließende Grillfest vorbereiteten.

Ulli Sylvester betreibt in Düsseldorf einen Cateringservice. Vom Privatfest über das Weihnachtsessen bis zum Geschäftsevent liefern sie und ihre Mitarbeiter den Gaumenschmaus - als Buffet oder als Menu. Ihre Philosophie lautet: “ Alles in einem Topf: Hingabe, Inspiration und Erfahrung“. „Kochen“, so sagt sie, „ist eine Frage der Leidenschaft. Den Genuss und die Freude an der liebevollen Zubereitung sollte man schmecken können“. Dank der Vielschichtigkeit ihrer Küchencrew gibt es aus vielen Regionen dieser Welt interessante und überraschende Rezepte. Und ein bisschen davon teilten sie und ihr Team mit den Workshop-Teilnehmern. Diese konnten viele „Kniffe“ und wertvolle Ratschläge mitnehmen, unter anderem für die Zubereitung von Salaten aus verschiedenen Ländern mit Couscous, Taboulé, Kartoffeln, Nudeln und die Verwendung verschiedenster frischer Käuter und Zitrusfrüchten. Das Ergebnis: Lecker, köstlich, einfach hmmmm! Ein herzlicher Dank geht übrigens an den Supermarkt REWE Lenk in Hattingen, der alle Essenszutaten kostenlos zur Verfügung stellte.

Performative Spiritualtität und spirituelle Performance, 

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so lautete der Titel eines weiteren Workshops. „Der Gott der abrahamitischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam - offenbart sich von Anfang an als der Gott, der unsere Lebenswege liebevoll, treu und zuverlässig mitgeht. Der Workshop lädt die Teilnehmenden ein, dem Mitsein Gottes auf dem individuellen Lebensweg biografisch nachzuspüren und die liebevolle Begleitung Gottes praktisch zu erleben“, so formulierte es Religionslehrer Michael Morgenthal in dem Einladungstext zu seiner Veranstaltung. Über performative Übungen erschlossen sich die Teilnehmenden die Wegsymbolik ihres bisherigen Lebens. Sie reflektierten z.B. anhand von praktischen Übungen, u.a. auch zu Fats Dominos Song „I´m walking“ verschiedene Formen des Gehens, stellten sich Fragen wie: „Folge ich in meinem Leben erlernten Mustern? War ich dabei zufrieden“? Und vor allem: „Wo will ich hin“? Auf Basis des Gedichtes „Spuren im Sand“ thematisierten sie, an welchen Lebenswegstationen sie Begleitung und Hilfe erlebt hatten. Dass viel Raum zum Nachdenken und Verarbeiten benötigt wurde, versteht sich von selbst. Und auch, dass angesichts der sehr persönlichen Inhalte und der intensiven Atmosphäre während des Workshops keine Aufnahmen gemacht wurden.

„Ankommen in Deutschland – Das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft“

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Rechts: Sozialwissenschaftlerin und Sozialarbeiterin Dina Purits

Wie wohnst du zuhause? Hast du dein eigenes Zimmer? Wenn ja, kannst du dich ziemlich glücklich schätzen. Das geht nicht allen Menschen so. „Eine unbekannte Welt erwartete die Schülerinnen und Schüler hinter dem Tor der Gemeinschaftsunterkunft in der Werksstraße 32. Jede Unsicherheit wurde unserer kleinen Gruppe jedoch durch den herzlichen Empfang, das informative Programm und die Offenheit aller Beteiligten genommen. Zeit für unseren Besuch hatten zwei Sozialbetreuer der Einrichtung, die Koordinatorin der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, der Objektmanager und drei Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft. Die einzelnen Informationen ergaben für uns ein vielfarbiges Mosaik: 140 Bewohnerinnen und Bewohner aus 20 Nationen leben zurzeit in einem Containerdorf in friedlicher Gemeinschaft. Die dort gelebten Grundsätze von Würde, Respekt und Disziplin können nicht jeden Konflikt verhindern, unterstützen jedoch beim Erreichen eines für alle Beteiligten tragbaren Interessenausgleichs. Diese Gemeinschaftsunterkunft wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern als Sprungbrett für ein Leben mit Ausbildung, Arbeitsplatz und eigener Wohnung empfunden. Deutlich wurde auch, dass die eigene Wohnung in einer Stadt wie Hattingen nicht leicht zu finden ist, denn im Gegensatz zu anderen Städten gibt es hier kaum Leerstände auf dem Wohnungsmarkt. Besonders berührend empfanden wir das Gespräch mit drei Geflüchteten aus Somalia, Syrien und dem Irak. Alle drei erlaubten uns Einblicke in Hintergründe und Abläufe ihrer Flucht, ihre familiäre Situation, ihre Schwierigkeiten in der fremden Kultur und ihre Hoffnungen und Wünsche. Sehr beeindruckt waren wir von den (in kurzer Zeit bereits erworbenen) Deutschkenntnissen. Den Herzenswunsch der Sozialbetreuerin Dina Purits und der Geflüchteten nehmen wir mit auf unseren Weg: Offen sein für die Geflüchteten, das Gespräch suchen und angstfrei auf den einzelnen zugehen!“

Text: Christiane Lechtermann, Abteilungsleiterin der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung, die die Workshop-TeilnehmerInnen auf dem Besuch in die Gemeinschaftsunterkunft begleitete.

Workshop „Flucht und Asyl“ mit Teilnehmenden aus der Höheren Berufsfachschule

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Workshop-Leiterin Desirée Arendt

Darf man der Bewegungsfreiheit Grenzen setzen? Während die europäischen Länder darüber diskutieren, wie viele geflüchtete Menschen man ihnen „zumuten“ kann, ertrinken seit Jahren fast täglich Menschen im Mittelmeer. Gleichzeitig bekennen sich Europa und Deutschland zu den unverletzlichen Menschenrechten, zu denen auch das Recht auf Asyl gehört. Nach Deutschland geflüchtete Menschen werden in ihren Grundrechten wie der Bewegungsfreiheit eingeschränkt, das Leben wird ihnen durch Eingrenzungen erschwert. Mit den wachsenden Zahlen an Menschen, die nach Deutschland kommen um Krieg, Terror und Elend zu entkommen, nimmt die Hilfsbereitschaft und das Interesse am Zusammenleben, aber auch das Misstrauen und die Ablehnung gegenüber Menschen anderer Herkunft in der deutschen Gesellschaft zu.

Die SchülerInnen wurden unter Leitung von Studentin Desirée Arendt - Mitglied bei ICJA Freiwilligenaustausch weltweit - durch interaktive und lebendige Methoden dazu angeregt ihre eigene Rolle zu reflektieren und sich aus verschiedenen Perspektiven mit Flucht, sowie deren Ursachen und Konsequenzen auseinanderzusetzen. In diesem Workshop erlebten sie einen Perspektivenwechsel und versetzen sich in die Rolle Geflüchteter. Mit Hilfe von Filmbeiträgen, Gruppenarbeiten und Erfahrungsberichten tauschten sie sich darüber aus, wie die Lebensbedingungen von Geflüchteten in Deutschland und Europa sind. Hierbei reflektierten sie die Privilegien, die sich für sie selbst aus der deutschen Staatsbürgerschaft bzw. ihres Bleiberechts ergeben. Ausgehend davon, dass weltweit alle Menschen mit universellen Rechten ausgestattet sind, hinterfragten sie die aktuelle Politik sowie fremde und eigene Vorurteile.

Workshop „Zirkus grenzenlos“

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Rechts: Workshop-Leiterin Svenja Quasdorf

„GEMEINSAM etwas erschaffen ... Stolz sein etwas NEUES zu lernen... etwas EINZIGARTIGES gestalten ... über sich HINAUSWACHSEN... Zirkus und Jonglage bringen die Menschen zusammen, zum Staunen und zum Nachdenken. Sei Teil eines Workshops, der dich fördert und fordert und der dir Menschen aus einem anderen Blickwinkel zeigt. Hier könnt ihr entdecken, was mit Zirkus und Jonglage möglich ist und euch selbst ausprobieren! Wir freuen uns auf euch!“ So lautete der Text des Einladungsschreibens von Workshop-Leiterin Svenja Quasdorf, Schulsozialarbeiterin am bkh.

Sie ist „Profi“, nicht nur beim Jonglieren mit schulischen „Problemfällen“, sondern auch im sportlichen Bereich. Mit 10 Jahren begann sie bei einem lokalen Kinder - und Jugendzirkus und wirkte dort bis zum 17. Lebensjahr als Teilnehmerin mit, nicht nur beim wöchentlichen Training, sondern auch jeden Sommer bei einem dreiwöchiges Zirkuscamp mit Zirkuszelt und ausverkauften Vorstellungen. Bis zum Alter von 26 war sie dann als ehrenamtliche Teamerin tätig. Diese Zeit, in der sie als Teamerin zahlreiche Zirkusprojekte mit Klassen/Gruppen verschiedenster Schulformen sowie Ferienangebote begleitete, kam den Workshop- Teilnehmern nun zugute. Dank ihrer gekonnten Anleitung, Geduld und Motivation zeigten sie innerhalb kurzer Zeit erstaunliche Fortschritte. Dass der Spaßfaktor entsprechend hoch war, muss eigentlich nicht mehr ausdrücklich erwähnt werden…

Workshop „Sport aus aller Welt“

Sport verbindet die Menschen. Das weiß man spätestens, wenn man einmal in seinem Leben ein Fußballweltmeisterschaftsspiel beim Public Viewing geschaut hat. Was für eine Stimmung! Irre! Aber welche Sportarten gibt es außer Fußball noch in den verschiedenen Ländern? Welches Land hat welche Nationalsportart? Und warum ist gerade Sport ein tolles Medium für neuzugewanderte Menschen?

Im Workshop von Sporttrainerin Corinna Gundlach vom Landessportbund NRW war genau richtig, wer Lust hatte, neue Spiele und Sportarten kennenzulernen und sich mit „Sport als Hilfsmittel zur Integration“ auseinanderzusetzen. Das funktionierte wunderbar, denn Mitmachen war natürlich Programm. Über den damit verbundenen leichten Erschöpfungsfaktor sahen die Teilnehmenden dann großzügig hinweg… Workshop „Education around the world”

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Rechts vorne: Brigitte Rose, Zahra Sohrabi und Rita Nachtigall, ehrenamtliche

Mitarbeiterinnen im Nähcafé sowie Organisiatorin des Nähcafés für die AWO-EN, Helma Hochstrate, Lehrerin für Deutsch und Wirtschaft am bkh. Hinten rechts: Sozialpädagogin Sabine Görke-Becker, Leiterin des Workshops „Education around the world“.

Im Workshop von Sozialpädagogin Sabine Görke-Becker im Bürgertreff am Holschentor konnten die Teilnehmenden erste Worte auf Arabisch sprechen und schreiben lernen. Neben der arabischen Sprache warfen sie auch einen Blick darauf, wie Jugendliche in anderen Ländern lernen. In welchem Alter wird man in anderen Ländern eingeschult? Gibt es, wie bei uns in Deutschland, eine Schulpflicht?

Interessante Fragen, die die Gruppe dank der umfangreichen Kenntnisse der Leiterin der Beratungsstelle für Flüchtlinge von der AWO klären konnte. Denn sie unterstützt junge Migrantinnen und Migranten in Witten und berät Jugendliche und junge Erwachsene in allen Fragen der sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung. Ein Mitschüler aus Syrien stellte die Tätigkeiten vor, die er in seinem Heimatland ausgeübt hatte. So kam ein Austausch über verschiedene Abschlussmöglichkeiten in den Herkunftsländern der Schüler zustande und die Teilnehmer zogen immer wieder Vergleiche zum dualen System in Deutschland. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren auch am eigenen Leib, wie schwer es ist, sich z.B. die Sprache eines fremden Landes anzueignen: Fremde Laute, die man nicht kennt, völlig unbekannte Schriftzeichen, die einem nichts sagen.

Die Ohnmacht angesichts des Versagens von Kommunikationsmechanismen. Sie merkten auch, wie sehr sie auf Unterstützung bei der Verständigung in einer Fremdsprache angewiesen waren: Auf das Wohlwollen und die Geduld sowie die Freundlichkeit ihres Gegenübers. Und wie stolz es macht, schon erste Worte zu beherrschen, die ein Türöffner bei der Kommunikation sind. Dass sich ihr syrischer Mitschüler hier als kompetenter Lehrer erwies, sollte an dieser Stelle besonders erwähnt werden. Denn am Ende konnten alle Teilnehmer ihren Namen mit arabischen Schriftzeichen schreiben. Derart motiviert besuchten mehrere Gruppenmitglieder dann noch im Erdgeschoss einen weiteren Workshop mit dem Titel

Workshop „Begegnung zwischen Nadel und Faden“

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Zack-zack, mal eben schnell ein Kissen genäht. Mit Geschick und Mut zur Nähmaschine geht das problemlos!

Hey, gut siehst du aus! Woher hast du dein Shirt? Wie viel hat es gekostet? Woher es wohl kommt und wie es hergestellt wurde..? Wer Lust hatte, sich auch mal selber als Designer auszuprobieren und sein eigenes Kunstwerk aus Stoff herzustellen, war bei Brigitte Rose und Zahrah Sohrabi, den ehrenamtlichen Betreuerinnen aus dem Nähcafé, das Rita Nachtigall von der Arbeiterwohlfahrt Ennepe-Ruhr mit der Hattinger Flüchtlingshilfe - übrigens jeden Mittwoch zwischen 10 und 12 Uhr - anbietet, an der richtigen Adresse. Für die männlichen Interessenten war klar: Nähen ist nicht nur Frauensache. Nähen ist Handwerk und eine Nähmaschine ist ein technisches Gerät. Man muss es also nur richtig handhaben. Und das klappte ziemlich schnell. Nach einer Beratung für die optimale Stoffwahl durch die beiden Betreuerinnen und eine kurze Einweisung zeigten einige Teilnehmer deutliches Talent und Sicherheit im Umgang mit dem für sie fremden Gerät. Und nach kurzer Zeit konnten sie Ergebnisse präsentieren, die sich sehen lassen konnten!

Workshop „Mit einem Lied um die Welt“

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Mit der Flüchtlingsthematik beschäftigen sich auch viele Musiker. Sie drücken durch kreative Worte und Klänge ihre Sichtweise aus. Mit solchen Songs, wie vor allem „Meermenschen“ von Moop Mama, beschäftigten sich die TeilnehmerInnen in diesem Workshop. “Meermenschen” ist durch die global-politischen Umstände zum Schlüsselstück geworden. Das Lied behandelt die Flüchtlingsthematik sowie Gedanken und Stimmen dazu. Moop Mama fassen das Gefühl von kollektiver Ratlosigkeit in Musik. Darin zeigt sich eine paradoxe Situation. Einerseits kommt an diesem Thema niemand vorbei, es beschäftigt quasi die gesamte Welt. Gleichzeitig tun sich aber alle schwer, Antworten zu finden. Viele Aspekte sind in Worten schwer auszudrücken, weil diese globale Flüchtlingstragödie einfach sprachlos macht. Daher bezieht der Text auf menschlicher Ebene Position.

Das Bild des Menschenmeers leitet den ganzen Song und auch die musikalische Umsetzung. Die Wechselwirkungen zwischen Text und Musik, verschiedenen Tempi, Stilen und Emotionen machen den ganz eigenen Charakter des Stücks aus. Die WorkshopTeilnehmerInnen sprachen über diesen Song und weitere Lieder, sangen und begleiteten instrumental. Sie hätten kaum eine geeignetere Workshop-Leiterin dafür finden können als Musikerin und Lea Bergen. In verschiedenen Bandprojekten, die vom professionellen Covern bis zu akustischer Musik mit keltischem Einfluss reichen, probierte sie sich bereits aus und sammelte Erfahrungen in verschiedensten Genres. Sie studierte Gesang und Klavier und begeistert sich besonders für vielschichtige Lieder und die Tiefe ehrlicher Songs. Daher auch ihr Engagement bei der musikalischen Arbeit mit Flüchtlingen, das sie auch im Rahmen eines musikalischen Gemeinschaftsprojekts zwischen der Musikschule Hattingen und dem bkh unter Beweis stellt.

Im Anschluss an die vierstündigen Workshops startete ein gemeinsamer „walk to talk“ im Umfeld der Schule, bei dem sich die TeilnehmerInnen über ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Ergebnisse austauschen konnten.

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Der Walk endete auf dem Schulhof des bkh, wo die kulinarischen Köstlichkeiten, die die SchülerInnen hergestellt hatten, auf einem Buffet zum Verzehr bereitstanden. Kollege Boris Stoye aus der Abteilung Fachkräfte im Fahrbetrieb sorgte dafür, dass der Grill nicht ausging. Großzügige Kuchenspenden von Kolleginnen und Kolleginnen rundeten das Herzhafte ab.

Fazit der Veranstaltung: Das war zu gut um nicht wiederholt zu werden. Na dann: Auf ein Neues und ganz herzlichen Dank an alle Hauptbeteiligten! Denn ohne ihren ehrenamtlichen und damit unentgeltlichen Einsatz hätte diese Veranstaltung nicht stattfinden können.

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V.l.n.r. Maren Pohlmann, Lea Bergen, Dana Tiemann, Michael Morgenthal, Ulli Sylvester, Rafel Hidalgo, Corinna Gundlach, Linda Drekovic, Janneth Wegener, Peter Schaaff, Desirée Arendt

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