Ein Lied für den „Day of Song“

Die Musiklehrer Joe Doll und Lea Bergen mit (v.li.): Ramadan, Aboubaca,Mandi, Omer, Gasim, Suldan und Ahamad. Sie sind 18 und 19 Jahre alt. Die Musiklehrer Joe Doll und Lea Bergen mit (v.li.): Ramadan, Aboubaca,Mandi, Omer, Gasim, Suldan und Ahamad. Sie sind 18 und 19 Jahre alt. Foto:Walter Fischer

Brigitte Ulitschka | 18.01.2018 Hattingen.

Junge Flüchtlinge aus Berufskolleg-Klassen wollen im Schulzentrum Holthausen auch trommeln lernen. Nicht alle haben in einer Runde laut gesungen.

Nach der ersten Stunde des Musik-Projektes mit Schülern des Berufskollegs, das noch keinen festen Namen hat, musste Sozialarbeiterin Maren Pohlmann schmunzeln. Die jungen Leute äußerten den Wunsch, auch mal zu trommeln und sich auf diesem Feld auszuprobieren. Genau das hatten auch die Verantwortlichen im Hinterkopf und offensichtlich ins Schwarze getroffen, weil Wünsche und Zielsetzung so gut zusammenpassten.

Die erste Stunde war Anfang Dezember. Und schon damals wurde die Sozialarbeiterin gefragt, ob sie die Musiktexte zum Üben für zu Hause ausdrucken könne. Inzwischen sind die Musiklehrer Lea Bergen und Jo Doll und die jungen Flüchtlinge schon fast ein eingespieltes Team. Die positive Rückmeldung zum Projektstart ist auch vor dem Hintergrund erfreulich, weil manche zum ersten Mal in einer solchen Runde laut gesungen haben – und trotzdem voll und ganz dabei waren von Anfang an und Spaß hatten.

Auftritt mit Eigenkomposition geplant

Spaß und Ziele wachsen mit jeder Stunde. Geplant ist derzeit ein Auftritt vielleicht zum „Day of Song“ mit einer Eigenkomposition. Doch beim Zusammentreffen in dieser Woche setzten sich alle zunächst mit Max Giesingers Songtext „80 Millionen“ auseinander. „Ich war nie gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber das hier hab sogar ich kapiert, die Chance dass wir beide uns treffen, ging gegen Null und doch stehen wir jetzt hier.“ Textzeilen stimmen mit dem überein, was sie erlebt haben: „So weit gekommen und so viel gesehen, so viel passiert das wir nicht verstehen, ich weiß es nicht doch ich frag es mich schon., Wie hast du mich gefunden? Einer von 80 Millionen.“

Die sich mit dem Text auseinandersetzen, sind junge Leute aus zwei Flüchtlingsklassen des Berufskollegs, die einmal die Woche im Keller des Schulzentrums Holthausen proben.

Die Themen: Freundschaft, Eltern, Vertrauen

Jo Doll findet es spannend, mal nicht mit musikalisch erfahrenen Erwachsenen zu arbeiten, sondern mit Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die sich untereinander, aber auch mit den Musiklehrern und der Sozialarbeiterin gut verstehen.

Ihm macht es Spaß zuzusehen und zuzuhören, wie sich die unterschiedlichen jungen Menschen auf Deutsch unterhalten. Das Leben, ihr Leben, wollen diese thematisieren. Und fingen in der Probestunde diese Woche schon mal an mit einer Stichwortsammlung des für sie Wichtigen. Auf der Liste finden sich Begriffe wie Freundschaft, Eltern, Vertrauen.

Man darf gespannt sein, welchen Liedtext sie daraus gemeinsam mit ihren Musiklehrern entwickeln und wie er klingt.

Dieser Artikel erschien am Donnerstag, den 18. Januar 2018 im Hattinger Lokalteil der WAZ. Das bkh bedankt sich für die interessante Berichterstattung!

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