Inklusion – von Anfang an

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Diese alte Volksweisheit scheint auch für aktuelle Herausforderungen wie den Anspruch auf Inklusion zu bestehen – weshalb der diesjährige Fachtag zur Inklusion unter dem Motto „Inklusion – von Anfang an“ stand.

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Abteilungsleiterin Mechthild Böker, Referent Prof. Dr. Jörn Borke, Fachlehrerin Antonia Hübers

Dabei wird davon ausgegangen, dass die Grundlagen zur Entwicklung einer Haltung für ein gutes Miteinander schon in frühester Kindheit gelegt werden können. Erstmalig konnte der Fachtag in seiner dritten Auflage in Kooperation mit dem „Bundesprogramm Kita-Einstieg” durchgeführt werden. Dem Engagement von Frau Stolten zur Ermöglichung dieser Kooperation sei an dieser Stelle nochmals gedankt.

Mit diesem Programm fördert das Bundesfamilienministerium niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereiten und unterstützend begleiten. Als Fachreferent für Inklusion war in diesem Jahr Prof. Dr. Jörn Borke von der Universität Magdeburg eingeladen, der zu dem „kultursensitiven Ansatz als Teil einer inklusiven Arbeit“ vortragen durfte. Prof. Borke wies in vielen anschaulichen Beispielen darauf hin, wie sich Vorstellungen von Erziehung oder sozialen Konventionen in verschiedenen Ländern unterscheiden. So konnten die aufmerksamen Zuhörerinnen erfahren, dass man nicht etwa automatisch von einer „Bindungsstörung“ ausgehen sollte, wenn einem Kind die Verabschiedung von seinen Eltern in den ersten Tagen innerhalb der Kita scheinbar keinerlei Probleme bereitet. Vielmehr könne eine Erklärung darin liegen, dass dieses Kind möglicherweise in „multirelationalen Strukturen“ aufgewachsen und bereits daran gewöhnt ist, auch von anderen Personen als den eigenen Eltern begleitet zu werden. Diese Erfahrung kann den Einstieg in die Kita unter Umständen deutlich erleichtern.

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Die diesjährigen Absolventinnen des Aufbaubildungsgangs Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit.: Von oben links nach rechts:Michael Eulenbach, Ariane Liemert, Finnja Vahle unten von li nach re: Sarah Kather, Larissa Götze, Lara Lohsert

Nach dem Vortrag von Prof. Borke bot sich den Besucherinnen ein vielfältiges Angebot. Auf einem Markt der Möglichkeiten stellten Studierende des Aufbaubildungsgangs Inklusion ihre Abschlussprojekte vor. Die Projekte vermittelten einen guten Einblick, wie Inklusion konkret in den Kita-Alltag eingebracht werden kann, z.B. durch Möglichkeiten zur Förderung der Wertschätzung von interkultureller Vielfalt oder Entwicklung einer vorurteilsbewussten Haltung durch eine Sensibilisierung für Diskriminierung. Auf Büchertischen konnten sich die Besucherinnen über die neuesten Erscheinungen von Kinderbüchern mit den Themenschwerpunkten Inklusion oder interkulturelles Lernen informieren. Frau Mahle präsentierte in dem Bündnis Elternnetzwerk, wie Eltern in die Bildungsprozesse ihrer Kinder sinnvoll einbezogen werden können.

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Das Kommunale Integrationszentrum Schwelm stellte das Rucksack-Projekt vor. Mit diesem werden Kinder aus Zuwandererfamilien unter Beteiligung der Eltern und der pädagogischen Einrichtung sprachlich gefördert. Sehr vielfältig zeigt sich das Workshop-Programm. Es reichte von Einsichten über die Bedeutung von Tragetüchern für den Bindungsaufbau über Anwendungsbeispiele der Unterstützten Kommunikation bis hin zu Musik als Angebot zur Beteiligung von Kindern mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Kulinarisch versorgt wurden die Besucher in einem inklusiven Café, das mit Hilfe von Bewohnern des Ellen-Buchner-Hauses der Lebenshilfe in Hattingen angeboten wurde. Hier konnten die beteiligten Studierenden des Berufskollegs Hattingen Inklusion erleben und erfahren, dass die Teilnehmer aus dem Ellen-Buchner-Haus ihrerseits richtig gute Ideen für leckere Speisen hatten und am Ende ein köstliches Buffet bereitstand, das ohne deren Hilfe so nicht hätte entstehen können. Inklusion von Anfang an mit Win-win am Ende. Zur musikalischen Untermalung spielte die Lehrerband des Berufskollegs Hattingen sowohl zur Eröffnung der Veranstaltung als auch im inklusiven Café auf. Dadurch wurde auch zwischen den verschiedenen Veranstaltungen für gute Unterhaltung gesorgt.

Der nächste 1½-jährige berufsbegleitende Aufbaubildungsgang „Fachkraft für inklusive Bildungs und Erziehungsarbeit” beginnt am 13.02.2020. Die Teilnehmerinnen qualifizieren sich, das Menschenrecht auf uneingeschränkte Teilhabe in sozialpädagogischen Einrichtungen umzusetzen. Hierbei geht es sowohl um Kinder mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen als auch Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten. Bewerbungen für den Bildungsgang werden vom Berufskolleg Hattingen entgegengenommen.

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