„Hilfe, da komm ich gar nicht durch“

Erfahrungsbezogenes Lernen an der Fachschule für Heilerziehungspflege: Im Rahmen eines Methodenblocks haben die Oberstufen der Sozialassistenz und der Heilerziehungspflege unter der Leitung ihrer Fachlehrerin Beate Löchte ein interessantes und für die Schüler*innen der verschiedenen Klassen aufschlussreiches Projekt durchgeführt:

Jeweils zwei Schüler der beiden Ausbildungsformen haben sich zusammengesetzt und eine Behinderungsform bearbeitet, indem sie sich über die Art der Behinderung, welche von Seh- und Hörschwächen bis zu Gehbehinderungen reichten, informierten und sich in die Lage einer davon betroffenen Person hineinversetzten. Dazu wurden ihnen Hilfsmittel wie Unterarmgehstützen, Rollatoren und Rollstühle zur Verfügung gestellt. Zusammen mit einem zweiten Schüler*innenteam sollten sie nun den Weg durch das Schulgebäude in Angriff nehmen, um zwei Technikerklassen zu besuchen.

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Foto: Hier ist die Oberstufenklasse der Sozialassistenten entsprechend „präpariert“ um sowohl in der Schule als auch im unmittelbaren Umfeld sowie in der Stadt auszuprobieren, welche mobilitätshemmenden Tücken täglich auf Menschen mit körperlichen Handicaps lauern. Viele Türen von Geschäften sind z.B. gerade für Rollstuhlfahrer ein kaum zu bewältigendes Hindernis. Nicht selten müssen sie kapitulieren, weil sie feststellen: „Hilfe, da komm ich gar nicht durch!“

Die Elektro- und Metalltechnikerklassen waren, im Gegensatz zu ihren Fachlehrern, nicht auf diesen Besuch vorbereitet, sodass sie möglichst unvoreingenommen und spontan mit den angehenden Sozialassistenten und Heilerziehungspflegern zusammenarbeiten konnten. Die Gruppen stellten ihre Arten der Behinderung vor und kamen mit den Technikerklassen ins Gespräch, was auf Beobachtungsbögen festgehalten wurde: wie waren die Reaktionen auf den Besuch, welche Gefühle lösen Behinderungen bei ihnen aus, kennen sie bereits Menschen mit Behinderungen aus ihrem Umfeld, wie stehen sie zu taktlosen Ausdrücken der Umgangssprache und Beleidigungen, kennen sie Fachausdrücke und vieles mehr?

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Nach Abschluss der Gesprächsrunde versetzten sich die Schüler*innen der Sozialassistenz und Heilerziehungspflege erneut in die Lage, die ihre bearbeitete Behinderung mit sich brachte, und sie meisterten den Weg aus dem ersten bzw. zweiten Stock des Schulgebäudes über den Innenhof, außen um die Schule herum zurück in den Klassenraum und das alles während einer regen Pausenzeit.

Bei der abschließenden Auswertung diskutierten die Schüler*innen über die Schwierigkeiten bei der Bewältigung solch alltäglicher Wege, dem Gefühl des Ausgeliefertseins und über vieles weitere mehr. Obwohl die Technikerschüler*innen so unvorhergesehen mit diesem Projekt konfrontiert wurden, fand eine sehr rege und fruchtbare Diskussion statt, bei der jeder involviert und interessiert war.

Für das kommende Schuljahr stehen noch einige Ausbildungsplätze für das spannende und abwechslungsreiche Berufsfeld der Heilerziehungspflege am bkh offen.

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