Märchenstunde in der Fachschule für Sozialpädagogik

Märchen erzählen im Unterricht? Für die angehenden ErzieherInnen in der Fachschule für Sozialpädagogik steht das auf dem Lehrplan. Warum, liegt auf der Hand. Denn „Kinder brauchen Märchen“. So jedenfalls legt es Bruno Bettelheim, der „große alte Mann der Kinderpsychologie“ in seinem bereits 1977 erschienen Klassiker überzeugend dar.

Auch im Zeitalter der Digitalisierung sind ErzieherInnen als Märchenerzähler in den Kitas bei den Kindern nach wie vor gefragt. Am heutigen Dienstag, den 7.Mai 2019, kann die Oberstufenklasse FSPO-1 von Lieselotte Recknagel erfahren, wie Märchenerzählen „wirklich geht“. Denn sie ist ausgebildeter Profi auf diesem Gebiet und hat eine mehrjährige Ausbildung dazu absolviert. Wer sie und ihre Miterzählerinnen kennenlernen will, der kann das z.B. im Januar jeden Jahres im Figurentheater Bochum-Langendreer tun. Dort hat der Bochumer Märchenerzählkreis mit dem Namen „Der goldene Schlüssel“ nämlich dann einen seiner beliebten Lausch-Abende zu bieten.

Lieselotte Recknagel kommt heute mit einer reichhaltigen Ausstattung an verschiedenen Instrumenten, die sie auf einem großen Tuch auf dem Boden ausbreitet. Dazu gehören z.B. ein Daumenklavier, ein Waldteufel-Schnarrer, Kalebassen und Trommeln unterschiedlicher Art und Größe, Klanghölzer, eine Klangschale und ein Schellenring, die während des Erzählens zum Einsatz kommen.

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Bevor es aber damit losgeht, tritt die im Stuhlkreis sitzende Gruppe erst einmal ihre Reise ins Märchenland an. Und so waten, gehen, klettern und paddeln unter Ganzkörpereinsatz zunächst einmal alle durch den Sumpf und den Wald, über den Berg und den See…bis endlich die Tür zum Märchenland mit einem goldenen Schlüssel aufgeschlossen werden kann. Einen solchen – wenn auch nicht aus echtem Gold - hat Lieselotte Recknagel tatsächlich bei sich.

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Lieselotte Recknagel (l.) klettert mit Ulrike Körner, Fachlehrerin für Deutsch, über den Berg ins Märchenland

Und dann beginnt die Erzählerin mit dem Märchen „Der goldene Schlüssel“ von den Gebrüdern Grimm. Es folgt das vom grimmigen König, das sie lautmalerisch unterstreicht. Die SchülerInnen machen mit, indem sie z.B. mit der Zunge schnalzen, mit ihrer Stimme eine Tür quietschen lassen und laut mit den Füßen trampeln. Lieselotte Recknagel bezieht alle ein. Sie kam von der musikalischen Früherziehung zum Märchenerzählen. Es gehe dabei nicht ums Vorlesen, betont sie, sondern tatsächlich ums Erzählen. Der Vorteil sei, dass man nämlich dadurch den Blickkontakt zu den Zuhörern nicht verliere. „Wenn man Märchen erzählt, kehrt immer wieder Stille ein. Dann wird tatsächlich zugehört. Und im Kopf der Zuhörer beginnt eine Art Kopfkino. Die Kinder sehen dann ihre ganz eigenen Bilder“.

Dass das allmählich auch bei der FSPO-1 der Fall ist, erkennt man an der Körperhaltung und den Gesichtern. Entspannt und leicht lächelnd sitzen viele in der Runde, dabei aber gleichzeitig sehr aufmerksam. Einige blicken versunken-nachdenklich. Und natürlich wird auch gelacht.

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Lieselotte Recknagel erzählt das Märchen von den drei Hühnchen, vom Teufel mit den drei goldenen Haaren und von der Bienenkönigin, vom Laminak, von der blauen Rose, natürlich auch ein „Hochzeitsmärchen“ und ein sog. Kettenmärchen. Klar wird: Märchenerzählen ist eine enorme Konzentrations- und Gedächtnisleistung. Denn es geht dabei nicht um freies Erzählen, sondern tatsächlich um eine wortwörtliche Wiedergabe der Märchentexte. Und davon hat Lieselotte Recknagel eine enorme Anzahl in ihrem Repertoire. Viele Erzähltipps gibt sie an die Zuhörerrunde weiter und vermittelt wertvolle methodische Hinweise.

Entsprechend begeistert fällt das Feedback aus. Die Studierenden sind sich einig: Sie haben viel Neues gelernt und sind beeindruckt. Und es sei auch schön gewesen einfach nur mal zuzuhören, aber auch mitzumachen und die Instrumente als Klang- und Geräuschkulisse ausprobieren zu können. Und wenn nun eine gute Fee vorbeischauen würde und man sich von ihr etwas wünschen könnte, dann sicherlich auch, dass Lieselotte Recknagel bald wieder zur Märchenstunde ins bkh kommt.

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