Projekttage der neuen Unterstufenklassen für ErzieherInnen zum Thema „Meine Identität“

Die Einführungstage der neuen Erzieher-Unterstufenklassen standen dieses Jahr unter dem Motto: „Meine Identität“. Da die Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie ein wesentlicher Bestandteil des Lehrplans für angehende ErzieherInnen ist, hätte diese Thematik nicht passender sein können.

Das Endprodukt konnten die im Forum zur Präsentation versammelten SchülerInnen aus der Abteilung Sozial- und Gesundheitswesen am 4. Oktober in Form von zwei Filmen zwischen 15 und 20 Minuten Länge sehen.

Das künstlerische Projekt, das Thomas Enbergs im Rahmen des vom Land unterstützten Förderprogramms „Kultur und Schule“ mit den „Neuen“ durchführte, hatte Sabine Batzer, Lehrerin für Musik und Medienerziehung, auf bewährte Weise organisiert. Die unterrichtenden Teilnehmer gehören zu einem „Künstlerpool“, der Schulen für die Suche nach geeigneten Künstlern zur Verfügung steht. Mit Thomas Enbergs hatten die Newcomer in der Erzieherausbildung ein Multitalent an ihrer Seite.

Der Kommunikations- und Multimedia Designer mit Zertifikatstudium für Kulturarbeit und Kreativwirtschaft hat bereits zahlreiche Kunst- und Kulturprojekte in Deutschland und im Ausland konzipiert und ausgeführt.

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Worum ging es im Einzelnen? Thomas Enbergs erklärt: „In dem geplanten Filmprojekt zur Identität erarbeiten die Studierenden in Gruppen unterschiedliche Herangehensweisen mit verschiedenen filmischen Ausdrucksformen. Die neuen Studierenden kommen auf dem Berufskolleg in eine neue soziale Gruppe und werden mit Anforderungen und Erfahrungen konfrontiert, die eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person und Rolle notwendig machen. Jetzt sollen sie eine berufliche Identität entwickeln und diese in das persönliche Selbstbild integrieren. Dafür sollten die Studierenden sich in unterschiedliche Identitäten hineinversetzen können. Mit künstlerischen Mitteln erstellen die verschiedenen Gruppen Interviews, szenische Kurzfilme und Stop Motion Filme, die das Thema Identität in zahlreichen Aspekten hinterfragen.“

Eine Gruppe aus der FSPU-1 stellt dar, wie es ist und sich anfühlt, wenn man mit seinem Ausbildungsberuf unglücklich ist. Und so fliegt dann die Friseurschere in die Ecke, weil man weiß: Die Entscheidung für den Erzieherberuf ist genau die richtige. Schule und Schule können sehr unterschiedlich sein: Während der Schüler in der einen immer wieder von der Lehrerin kritisiert wird und auch der Chef im langweiligen Betrieb kein gutes Haar an ihm lässt, ist der Praktikumsplatz in der Kita das totale Kontrastprogramm. Hier ist „Leben in der Bude“, Freude und Wertschätzung stehen an oberster Stelle. Das Erledigen von Hausaufgaben in der Erzieherklasse ist jetzt eine Selbstverständlichkeit.

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Die Gruppe mit dem Thema „Schmetterlinge“ zeigt, wie bereichernd und schön es ist von begeisterten Kindern umgeben zu sein, die sich frei entfalten können. Die Darstellung von „Leicht-Sinn“ ist hier auf eindrucksvolle Weise gelungen.

Essen als „ein Teil von mir“ ist das Thema einer weiteren Szene. Lebensmittel als Mittel zum Leben erfahren hier eine besondere Aufmerksamkeit aus einem ganz anderen Blickwinkel. Essen und Trinken mit allen Sinnen, mit Genuss, das ist hier die Devise. Eine Massage mit dem Pfirsich statt mit dem Igelball gefällig? Eine Banane zu gymnastischen Übungszwecken verwenden? Klappt prima und macht Spaß! Lebensmittel werden als Alltagsbegleiter eingebaut, die eine besondere Form von Wertschätzung verdienen und erfahren.

In der Sequenz mit dem Titel „Ich und die anderen“ werden die DarstellerInnen mit alltagstypischen Ratschlägen, Vorurteilen, kritischen Bemerkungen, Fragen und stereotypen Sätzen überhäuft, die den Zuschauern nur allzu bekannt vorkommen. Je länger man hinhört und -sieht, desto mehr stellt man fest: Das nervt! Als am Ende die DarstellerInnen ihren angehäuften Frust in Form eines Steins ins Wasser werfen um zu verdeutlichen: Davon habe ich mich befreit, ist die Erleichterung für jede/n im Forum nachvollziehbar.

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Die FSPU-2 zeigt ideenreich, wie sich das Thema Familie, Beziehung, Aussehen und Ernährung in Standbilder umsetzen lässt. Eine andere Gruppe hat sich für das Sujet „Mobbing“ entschieden. Opferszenen werden mit dem eindringlichen und immer wiederkehren Satz: „Warum hilft mir keiner?“ unterlegt. Nach einer Szene mit eskalierenden Beleidigungen am Arbeitsplatz schreitet nun die Gruppe als „Auffangtuch“ ein und die Situation für das Opfer wendet sich.

In den Szenen mit dem Titel „Das Leben: ein Spiel“ sind ein Rucksack sowie ein Kartenspiel die Hauptrequisiten. Mit ihrer Hilfe wird symbolhaft deutlich, was man im Leben zu schultern und zu tragen hat, je nachdem, welche Karte man zieht. Die Lebensetappen ziehen sich vom Babyalter und die Schule bis zur Partnerwahl, bei der im Film natürlich die Glückskarte gezogen wird. „Happy end“ also! Wie lang und kurvig der Lebensweg sein kann, verdeutlicht das Hingleiten der Kamera über den gepflasterten Weg hinter dem Schulhof.

Die Sequenz „Gespräche über den Tod“ veranschaulicht Abschiedssituationen, in denen z.B. auch deutlich wird, wie die Beziehung zu wichtigen Menschen immer mehr abnehmen und schließlich sterben kann, ob es z.B. der Zusammenhalt in der Familie ist oder das Ende einer Partnerschaftsbeziehung. Die intensiven Standbilder dazu gehen unter die Haut. Deutlich wird aber auch: Diese Erfahrungen machen stark und befähigen durch den Lernzuwachs dazu anderen zu helfen. Und natürlich sind gute Freunde, die einem, wenn es brennt, unter die Arme greifen, oft die wichtigsten Nothelfer.

Wie wichtig eine Erziehung mit gutem Vorbildcharakter ist, zeigt sich in den Szenen, in denen ein und derselbe Sachverhalt „schwarz-weiß“ gespielt wird. Beispiele dafür sind Alkoholismus bzw. gesundheitsbewusstes Trinkverhalten während der Schwangerschaft, Vernachlässigung bzw. Unterstützung von Kindern bei den Hausaufgaben durch die Eltern oder die Bedeutung der (Nicht)Wertschätzung von Zeugnissen und ihren Folgen.

Das Sprichwort „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ findet Umsetzung in verschiedenen Szenen, die in der Sporthalle gedreht wurden. Wenn man sportliche Erfolge in unterschiedlichen Disziplinen verbuchen kann, ist das immer toll. Aber man darf nicht vergessen, dass diese meist das Ergebnis eines anstrengenden Bemühens auf einem langen Weg sind, der auch von Misserfolgen gezeichnet ist. Doch man sollte nie aufgeben. Dafür stehen die Sätze, mit denen die DarstellerInnen ihre Szenen unterlegen: „Ich will treffen“! „Ich will es schaffen“! „Jetzt geht´s“.

Und wenn man sich später am Hattinger Stadttor trifft und immer mehr Personen dazukommen, mitgenommen werden, man eine Zeitlang zusammengeht und sich dann wieder nach allen Seiten verteilt, dann wird klar: Das waren Lebensabschnittsgefährten, die sich getroffen und nach einiger Zeit wieder getrennt haben. So wie im wirklichen Leben, auch in der ErzieherInnenausbildung.

Am Ende erhielten alle TeilnehmerInnen von ihrem Projektleiter Thomas Enbergs ein großes Lob, weil sie mit geringen Mitteln einen wirklich schönen Erfolg nachzuweisen hätten. „Die Projekte waren einen gelungenes Zusammenspiel von Ideen, die in der Umsetzung aber auch oft ein Maximum an Geduld seitens der Durchführenden verlangt hätten. „Das gegenseitige aufeinander Bauen, warten, was kommt, gucken, was passiert, das hält nicht jeder aus“. Und die Länge der Filme sowie ihre Unterlegung mit Text und Ton, das darf keinesfalls unterbewertet werden“. Der anhaltende Applaus der ZuschauerInnen am Ende zeigte: Das sahen alle so. In diesem Sinne für die „Neuen“ weiterhin viel Erfolg und Zufriedenheit auf dem weiteren Weg ihrer ErzieherInnenausbildung und ein großes Dankeschön an Thomas Enbergs für seinen motivierenden und engagierten Einsatz!

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